Auf dem Weg zum klimaneutralen Skigebiet

Die Zukunft des alpinen Wirtschaftens stand beim Expertenforum für Klimaneutrale Skigebiete im Fokus, zu welchem die Lebensraum Tirol Holding, der Verein Vitalpin und der Alpine Tech Innovation Hub kürzlich in die Werkstätte Wattens luden. Neben dem Aufzeigen von Wegen und Möglichkeiten, um den CO2-Abdruck von Tourismusbetrieben zu reduzieren, lieferte das Expertenforum wertvolle Denkanstöße zu den Themen Energie, Mobilität, Schnee- und Wassermanagement sowie Innovationsherausforderungen für die Zukunft des alpinen Wirtschaftens.

Klimawandel gilt als eine der dringlichsten Herausforderungen unserer Zeit – dessen waren sich die teilnehmenden Branchenvertreter beim Expertenforum einig. Und nicht zuletzt durch die Medien wird der Druck auf Organisationen zusehends größer. Der Verein Vitalpin, eine internationale Interessensgemeinschaft für Menschen und Unternehmen in den Alpen, hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit der Klimainitiative für Skigebiete einen Beitrag zu leisten. Der Verein will Mitglieder dabei unterstützen, ihren Anteil zur Erreichung der Klimaziele zu leisten und dadurch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Branche nachhaltig zu beeinflussen. Ziel, so Vitalpin Geschäftsführerin Theresa Haid, sei es aufzuzeigen, dass die Alpine Tourismusbranche Teil der Lösung sein kann – und vor allem auch sein will.

Als erstes Pilotprojekt gilt Ischgl, welches als größtes klimaneutrales Skigebiet der Alpen zeigt, dass auch im alpinen Tourismus klimabewusstes Wirtschaften möglich ist. So werden nicht vermeidbare CO2-Emissionen, die durch den laufenden Betrieb der Silvretta Seilbahnen AG entstehen, seit dem Saisonstart 2020/21 über ein international anerkanntes Klimaschutzprojekt und durch ein Aufforstungsprogramm im Tal ausgeglichen; die bisherigen Anstrengungen zur Reduktion des CO2-Austoßes so intensiviert. Internationale Klimaschutzprojekte mit regionalen Maßnahmen unterstützen – das ist der Ansatz, den Vitalpin verfolgt. Regionale Akteure werden in den Prozess mit eingebunden, Ideen können von den Regionen eingebracht werden und werden nach Auswahl einer Fachjury in den Maßnahmenkatalog von Vitalpin aufgenommen.

Regionale Maßnahmen für Skigebiete setzen beispielsweise in folgenden Bereichen an:

  • Mobilität: Nicht nur die Anreise der Gäste, auch die der Mitarbeiter zum Unternehmen muss im Bereich der Mobilität mitgedacht werden. Hier kann etwa das Ridesharing-Konzept des Tiroler Startups Ummadum eine Lösung darstellen. Durch ein Belohnungsmodell sollen Menschen zum Teilen von Fahrten motiviert werden, zugleich wird der lokale Handel mit einbezogen.
  • Pistenpräparierung: In der ProAcademy von Kässbohrer werden CO2-Einsparungspotentiale durch Fahrtechniktrainings ermittelt.
  • Gastronomie: Küchenprofi(t) unterstützt Gastronomiebetriebe bei der Reduktion von Lebensmittelabfällen um durchschnittlich 20% – durch einen zweistufigen Analyse- und Auswertungsprozess vor Ort.

Weitere Impulse kamen von den ÖBB, die mit dem Projekt „Im Nightjet zum Schnee“ eine umweltfreundliche Anreise nach Tirol forcieren wollen, von Energie Tirol, die Projekte und Maßnahmen aufzeigten, um das Ziel, Tirol bis 2050 energieautonom zu machen, zu erreichen, von den 3 Zinnen Dolomites, die durch gezieltes Energie-, Beschneiungs- und Fuhrparkmanagement die CO2-Emissionen deutlich reduzieren konnten sowie von Syneco, die mit einem Impulsvortrag zu den Innovationsherausforderungen im Rahmen der Klimaneutralität zu den anschließenden Workshops überleiteten.

Die Workshops dienten zur Diskussion und eingehender Beschäftigung mit den zuvor definierten Handlungsfeldern Schnee- und Wassermanagement, Fuhrpark und Energiemanagement. So kristallisierte sich etwa im Bereich Schnee- und Wassermanagement sowie Fuhrpark schnell heraus, dass die Digitalisierung der Schneeproduktion bereits auf einem sehr hohen Niveau ist, die Schulungen von Pistengerätefahrern ebenso vorhanden sind wie erste Hybridfahrzeuge. Herausforderungen bestehen hingegen in der strategische(re)n Herangehensweise in Hinblick auf die Positionierung und den Betrieb der Skigebiete, in der Sensibilisierung der Skifahrer und Gäste sowie im Einsatz von Pistenmanagementsystemen als auch (politischen) Rahmenbedingungen, die auf Skigebiete einwirken. Auch im Bereich Energiemanagement waren die Skigebiete in der Vergangenheit nicht untätig und bringen bereits eine Vielzahl von Messpunkten zum Einsatz, die dank der umfassenden Analysemöglichkeiten teils enorme Einsparungen von CO2-Emissionen ermöglichen. Herausforderungen bestehen hingegen bei der Sensibilisierung des (Saison-)Personals, dem fehlenden Blick auf das Gesamtsystem. Hier könnte ein Benchmark-System helfen, um im Vergleich mit anderen Skigebieten feststellen zu können, wo noch Potentiale zur Optimierung liegen.

Hier kann nun in einem nächsten Schritt der Alpine Tech Innovation Hub anknüpfen, die richtigen Akteure in unterschiedlichen Innovationsprogrammen zusammenzubringen und gemeinsam mit (internationalen) Startups an Lösungsansätzen zu arbeiten, die Skigebiete auf dem Weg zur Klimaneutralität unterstützen.

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