Alpine Mobilität neu definieren: Im Gespräch mit Dino Eicher von mov-e-now

Mobilität neu definieren – das will das Tiroler Startup move-e-now mit einem innovativen Mobilitäts-Sharing-Konzept. Denn die Zukunft sieht das junge Unternehmen in grüner Mobilität, Carsharing und effizienten Fahrzeugen. Um Zero Emission, Fahrzeug-Komfort-Verhältnis und intelligente Vernetzung bestmöglich zu erzielen und zu optimieren, werden Systeme, Prozesse und Produkte im Labor „Straße“ unter realen Bedingungen getestet, um auch die Wirtschaftlichkeit des Angebots zu gewährleisten.

Im Gespräch mit Dino Eicher, Geschäftsfürer von mov-e-now, unterhalten wir uns über die Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven im Bereich der alpinen Mobilität.


Mit dem größten Pool an Elektrofahrzeugen – vom E-Bike über E-Roller und E-Autos bis hin zu E-Transportern – steht für Kunden von move-e-now bereits ein breites Produktangebot zur Verfügung. Ob zur Miete oder auch zum Kauf ist dabei jedem selbst überlassen. Ihr möchtet das Mindset der Menschen nachhaltig ändern und die Vorteile der E-Mobilität aufzeigen. Wie weit sind die Technologie und die Kunden im Jahr 2020?

2020 ist sicherlich ein Jahr, wo extrem viel passieren wird. Noch viel mehr als die Jahre zuvor. Allein in der Elektromobilität werden durch die Veränderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen die Zulassungs- und Absatzzahlen für elektrische Fahrzeuge steigen. Automobilhersteller werden durch die neue EU-Richtlinie gezwungen, Elektroautos zu verkaufen, damit sie ihren Emissionsausstoß auf ihren Gesamtverkauf einhalten. Das kommt natürlich auch Kunden zu Gute, weil Elektrofahrzeuge grundsätzlich günstiger werden und auch mehr Modelle auf den Markt kommen. Zusätzlich gibt es zahlreiche steuerliche Vergünstigungen für Unternehmer, die 2020 noch dazu kommen – wie beispielsweise kein Sachbezug bei E-Mopeds, E-Motorrädern oder sogar auf E-Bikes. Auf der Vienna Autoshow im Jänner haben wir uns zwei neue Elektroautomarken genauer angesehen, MG und JAC. JAC bietet unter anderem hoch qualitative und alltagstaugliche Elektroautos ab 25.000,- an. Alltagstauglich heißt, dass das Modelle sind, die zwischen 280 und 400 km realistischer Reichweite haben und eine Schnellladefunktion besitzen, damit man als Nutzer eben keine Komforteinbußen hat, wenn man sich dazu entschließt, elektrisch unterwegs zu sein. Das Reichweitenthema und auch das Preisthema, das leider immer noch in den Köpfen herum kursiert, ist 2020 somit vom Tisch. Ein Tesla fährt ohnhin immer schon bis zu 500, manche Modelle sogar 700 km, der Durchschnitt der anderen Marken liegt aktuell bei 350 – 400 km realistischer Reichweite. Auch der E-Bike-Markt, der in den letzten Jahren jährlich um 50 – 70% gestiegen ist, wird genauso weiter steigen. Warum? Weil wir aus aktuellen Erfahrungsberichten von unseren Kunden wissen, dass das E-Bike PKW-Fahrten ersetzt. Die Tretroller, die ebenso eine Last-Mile-Lösung darstellen, haben sich bereits fest ins Stadtbild integriert und funktionieren. Damit keine Missinterpretationen entstehen, muss ich noch hinzufügen, dass wir natürlich das Fahrrad, sei es mit oder ohne elektrischen Motor, privat oder auch im Verleihsystem ganz klar als eine der Mobilitätslösungen der Zukunft sehen. Jedoch muss das System für den Nutzer einfach im Handling und attraktiv sein. Ein umständliches System wird vom Nutzer nicht angenommen, selbst wenn es „gratis“ ist. Auf lange Sicht wird immer die Technologie gewinnen, die einfacher, benutzungsfreundlicher und nachhaltiger ist.

Welche Herausforderungen gilt es im nächsten Schritt zu lösen, um die Mobiliät langfristig und nachhaltig zu verändern? Welche Herausforderungen müssen dabei speziell im alpinen Raum beachtet werden?

Die Herausforderung der Mobilität liegt im alpinen Raum selbst. Dass Sharing-Lösungen im urbanen Raum funktionieren und Fuß gefasst haben, ist ja schon Realität. Leider funktioniert nicht alles, was in Wien, Berlin und Shanghai funktioniert auch zwangsläufig in Innsbruck, Wattens oder am Weerberg. Wir haben 2019 firmenintern eine Matrix für das Bundesland Tirol aufgestellt, wo wir die Energiestrategie von Tirol 2050 – engergieautonom miteinbezogen haben. In der Tat ist das Ziel, energieautonom zu werden, möglich. Energieautonom funktioniert eben in einem (Bundes-)Land, das keine Erdöl- oder Erdgasvorkommen besitzt aktuell nur mit Fahrzeugen, die elektrisch angetrieben werden. Dass diese keine Abgase und eine viel geringere Lärmbelästigung haben, ist eine sehr angenehme positive Begleiterscheinung. Die Fahrzeuge nur zu elektrifizieren ist allerdings zu wenig. Zusätzlich spielt die clevere Vernetzung und das Teilen eine Rolle. Ich spreche hier immer bewusst von Fahrzeugen, weil wir neben der Elektrifizierung des kompletten öffentlichen Verkehrs und des privaten PKW-Verkehrs auch die Micromobility sehr stark als Schlüsselrolle sehen, wo das E-Bike und auch Tretroller in einem öffentlichen Verleihsystem dazu dienen, von Verkehrsknotenpunkten der Massenverkehrsmittel die Last-Mile mit diesem Gefährt zurück zu legen. Diese Technologien sind hier und am Markt etabliert – es geht darum, dass diese auch in einen ÖPNV integriert werden und überall verfügbar sind. In den nächsten Jahren werden zunehmend Buslinien, die aktuell nur leer herumfahren, durch individuelle Last-Mile-Lösungen oder Minibuslinien ersetzt. Wir sind im engen Austausch mit der VVT und arbeiten an 2 Projekten, um „sinnlos“ herumfahrende Busse durch alternative Lösungen zu ersetzen. Im Mai realisieren wir unser erstes Projekt im Tourismus mit zwei elektrischen Mini-Bussen, die in etwa 100 PKW-Fahrten täglich ersetzen. Wir sind Fans von kybernetischen Modellen, wo wir mit „kleinen“ Stellschrauben enormen Impact erzielen können.

Der Alpine Tech Innovation Hub soll den Standort Tirol im Bereich der alpinen Technologien als Vorreiter positionieren. Welchen Beitrag kann der Hub leisten, um innovative Lösungen für die Mobilität im alpinen Raum zu fördern?

Ein Hub ist immer gut, weil Lösungen gebündelt werden und dadurch Multiplikationseffekte erzielt werden. Wir freuen uns natürlich, unsere Lösungen beizusteuern, um am Standort Tirol wirklich eine Vorreiterrolle einnehmen zu können. Glücklicherweise gibt es in Tirol Gemeinden, die durchaus Vorreiterrollen einnehmen wie beispielsweise Wattens oder Serfaus. Serfaus ist in aller Munde wegen ihrer ortsinternen U-Bahn und der durchgeführten verkehrsberuhigten Zone, dessen Benefit Einheimischen und Touristen in höchstem Ausmaß zu Gute kommt. Es ist wahrlich eine Freude, sich innerorts fortzubewegen und als Eltern sich nicht die ganze Zeit sorgen zu müssen, dass mein Kind unter ein Auto gerät. Serfaus hat sich durch ihre Handlungen schon seit langem den Status des famlienfreundlichsten Skigebiets Europas gesichert. Begrüßenswert wäre es natürlich, wenn möglichst viele Gemeinden in Tirol ihre Chancen erkennen und Visionen in eine grüne Zukunft verwirklichen.

Welchen Support wünscht ihr euch als Startup von einem Ort wie dem Alpine Tech Innovation Hub? Welchen Mehrwert könnt ihr als Startup im Gegenzug liefern?

Wir wünschen uns eine rege Interaktion mit anderen Playern und eine kooperatives Voranschreiten einer gemeinsamen Vision. Was wir sicher gut einbringen können, ist unsere Expertise im Thema Sharing und intelligenter Vernetzung, weil wir diverse Projekte wie firmeninterne Sharings erfolgreich umgesetzt haben. Ein Highlight letztes Jahr war unser erstes Projekt „nimmi – Mobilität vor deiner Tür“, das wir in eine Wohnanlage integriert haben, wo die Bewohner Zugriff auf einen Fuhrpark haben, der von E-Bikes bis hin zu E-Autos reicht. Da wir europaweit mit Partnern und Importeuren zusammen arbeiten, können wir markenunabhängig Elektrofahrzeuge aller Art und verschiedenen Marken zu den vermutlich besten Konditionen organisieren. Wir freuen uns natürlich sehr, hier Ansprechpartner zu sein. Während sich ein Teil unserer Firma der Vermietung und dem Verkauf von Elektrofahrzeugen widmet, verwirklicht ein anderes Team Visionen, wo wir Mobilitätskonzepte für Unternehmen, Projektentwickler und Gemeinden erstellen und sie anschließend auch umsetzen. Aktuell entwickeln wir für 3 Großprojekte Masterpläne, wo wir neben der Konzepterstellung die Ausschreibung abwickeln, die komplette Realisierung leiten und den anschließenden Betrieb übernehmen.

Alpine Technologien in zehn Jahren – wie sieht ein mögliches Zukunftsszenario der wichtigsten Innovationen am Markt aus und welche Rolle spielt darin ein Unternehmen wie mov-e-now?

Dass für den alpinen Raum spezielle Technologien erforderlich sind, zeigt uns am besten die Vergangenheit. Weltmarktführer im Seilbahnbau ist die Firma Doppelmayr mit Sitz in Österreich. Durch die Topographie im alpinen Gelände funktionieren eben Konzepte und Lösungen nicht, die woanders Selbstgänger sind. Wo ich mit einem elektrischen 2 kW-Roller in Wien superschnell durch die Stadt flitze, werde ich damit bei der Fahrt auf den Weerberg verzweifeln. Wo in Wien ein Bikesharing gut funktioniert, werden wir in Tirol nicht darum herum kommen, Bikesharings zu elektrifizieren. Und genau das machen wir.

Vielen Dank für das Gespräch!

Informationen zu mov-e-now: www.wemovenow.com


In regelmäßigen Abständen laden wir in unserer Alpine Tech-Interviewreihe zum Gespräch: Wir unterhalten uns mit Unternehmen der Alpine Tech Key Industries über aktuelle Themen und Herausforderungen der Branche und hören genauer hin, welche Erwartungen der Alpine Tech Hub zu erfüllen hat.

Alle Interviews im Überblick.

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